Imkerwissen - ihr arbeitet mit Lebewesen!

"Wer es schafft, dass seine Bienen den Winter überleben und im Sommer Honig geben, ist noch lange kein guter Imker. Ein Imker der versteht, was im Volk passiert, ist ein guter Imker."

Ich habe mich wirklich reingehängt, um zu lernen, woran ich erkenne, was im Volk los ist. Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht nicht nur wissen will, wann Schwarmzeit ist, wann ich Varroabehandlung mache und wann ich Honig ernten kann. Ich wollte mehr. Ich wollte Verständnis über das Lebewesen Biene, und über den Superorganismus "der Bien" - wie Imker oft das Volk bezeichnen. Eigentlich sollte das oberste Pflicht sein.
Ich habe ein ganzes Jahr mitgeimkert, bevor ich eigene Bienen angeschafft habe. Dann habe ich Kurse belegt und mich vernetzt. Es gibt ein wirklich tolles Netzwerk in unserem Umfeld. Imker mit jahrzehntelanger Erfahrung, die ihr unschätzbares Wissen gerne weitergeben, sind die tragenden Säulen. Ich habe auch die Königinnenzucht bei einem echten Profi gelernt. Und das Wichtigste: Ich lerne nie aus. Ständig erwerbe ich neues Wissen, es gibt neue Erkenntnisse, man entwickelt sich nach vorne. Um Wissen überhaupt aufbauen zu können, benötigt man aber erst einmal Grundwissen.

Von Anfang an dachte ich, dass so ein Ablauf in den Start der Imkerei völlig logisch sei und dass es keine Alternatvie dazu gibt, sich Wissen anzueignet, BEVOR man mit der Bienenhaltung beginnt. Doch ich habe mich gehörig getäuscht. Eine Imkerschwemme ist unterwegs. Egal wo man hinschaut: Immer mehr Leute stellen sich einen Bienenstock in den Garten. Nicht immer, aber leider viel zu oft sind das Leute, die kein Wissen, oder ebenso gefährliches Halbwissen haben.  Bei einem Treffen von Imkerinnen und Imkern vor einigen Wochen wurde gar von einer Krankheit gesprochen und dass man diese Flut eindämmen müsse. Inzwischen gibt es sogar ein Start Up von einigen Studenten, die allen Ernstes behaupten, sie hätten eine Bienenbehausung entwickelt, die es jedem Ermöglicht, ohne Wissen Bienen zu halten und das sogar ohne Kontakt zu den Bienen. Solche Aussgen entsetzen mich zutiefst, denn sie werden weder der Sache noch den Lebewesen, mit denen man doch arbeitet, gerecht.

 

Die Imkerei ist ein tolles Hobby, das jedem vergönnt sein soll. Dieses Hobby ist ganz sicher nicht das Problem. Wir haben bei diesem neuen Imkertrend genau zwei Probleme:

1. Neuimker die nichts zum Thema lernen wollen, oder  allenfalls nur rein technische Abläufe verinnerlichen. Das reicht nicht! Siehe oben. Auch dann nicht, wenn man ja nur für die Natur einen Bienenstock hinstellen will.


2. Ein weiteres, sehr gefährliches Problem ist, dass (zumindest hier im Umfeld) einige Selbstdarsteller die, selbst wenn sie selbst noch die absoluten Anfänger sind, Kurse anbieten. Jemand der mit einen Kurs besuchen will, um sich Wissen anzueignen, kann aber nicht wissen, dass ihm dort nur halbes Wissen oder gar, wie wir es leider auch gesehen haben, völliger Schwachsinn vermittelt wird.

Der Grund für beide Probleme ist allzu oft die Grüne Welle und die Bienenschüter-Welle. Man will sich als Natur- und Artenschützer profilieren und auf dem Zug mitfahren. Mal abgesehen davon, dass die Honigbiene nicht vom Aussterben bedroht ist, gefährdet solch ein Verhalten unter Umständen die Bienen mehr, als es ihnen nutzt.


Ich glaube, es ist euch allen klar, ich will es aber nochmal sagen: lernwillige Jungimker mit Engangement sind hier nicht gemeint. Wir haben auch dieses Jahr wieder einige dieser jungen Imker herzlich in unseren Kreisen aufgenommen. Das ist eine tolle Sache und wir vermitteln sie gerne an echte Könner und Wissende weiter, wo sie von der Pieke aufwärts alles lernen können, weil ihnen von Anfang an solides Grundwissen vermittelt wird.

 

In diesem Statement gemeint sind Imker, die null Bock auf lernen habe und die Notwendigkeit nicht sehen. Gemeint sind auch die, die teilweise schon einige Jahre imkern und dennoch nicht mal das haben, was man Grundwissen nennt, weil sie die falsche Ausbildung haben.

Bei einem kürzlich abgehaltenen Treffen von Imkern und Imkerinnen, wurden derartige Fälle zur Sprache gebracht und unsere Schriftführerin hat sie alle aufgezeichnet. Mit freundlicher Genehmigung von den Damem und Herren Imkern führe ich diese Beispiele hier auf und sage ein paar Worte dazu. Diese Beispiele sind alle hier im Umfeld von ca. 40 km passiert. Es waren Imkerinnen und Imker beteiligt. Ich möchte diese erschreckenden Beispiele hier deshalb aufführen, damit Anfänger erkennen können, wie schwer es ist, wenn man ohne oder mit viel zu wenig Kenntnissen Bienen halten will. Bienen sind nicht einfach Insekten in einem Kasten, die das mit ihrem Leben schon irgendwie regeln werden. Man benötigt WISSEN, wenn man imkeren möchte.

 

 

Die aufgezählten Fälle zeigen Fälle von erschreckendem  Nichtwissen. Sie sind nur in der vergangenen Imkersaison gesammelt! Diese unten aufgeführten Beispiele sollen  zeigen, wie wichtig Wissen ist! Bitte: Wenn ihr imkern wollte, eignet euch dieses Wissen an, damit ihr keinen Schaden anrichtet. Ihr arbeitet mit Lebewesen!

 

Wegen des tendenziell um sich greifenden Trends der Selbstdarsteller achtet ganz besonders auch darauf WO ihr eurer Wissen erwerbt: Achtet auf alte, etablierte Vereine mit langjährigen Mitgliedern oder Imkerschulen mit Fachkräften.

Seid vorsichtig, wenn junge Imkervereinigungen sich selbst als "Profis" oder "Flüsterer" bezeichnen. Ich kenne nur drei solche Vereine, die einen Bienenflüsterer beschäftigen. Alle sind eine Katastrophe. Ich möchte das keinesfalls verallgemeinern und behaupten, Vereine mit den Worten Flüsterer oder Profis seien prinzipiell schlecht. Ich plädiere lediglich für eine Ausbildung bei bewährten Vereinen und Ausbildern, statt bei Vereinen voller Jungimker. Nicht wenige der unten genannten Imker haben ihr Nichtwissen von derartigen selbsternannten Profis erworben und geben es jetzt weiter! Zusätzlich ist es eine echte Tragödie, dass jeder Kurse anbieten darf und dass immer mehr dies tun, um sich selbst darstellen zu können. Hier gibt es Imker/innen, die erst zwei Jahre imkern und dennoch in den sozialen Medien anbieten, Anfängern beim Einstieg zu helfen. Das ist unseriös und darüber hinaus meines Erachtens eine Form von Größenwahn, gerade bei einem derart komplexen Thema, wie der Imkerei! Fragt deshalb bei alten, erfahrenen Imkern, wo ihr lernen könnt. Sie helfen euch gerne. Sie kennen die echten Profis, die euch ihr Wissen vermitteln. Bevor ihr zu imkern beginnt, ist der erste Schritt, einen seriösen Verein, eine seriöse Schule, seriöse Hilfe zu finden.


Ein unerschöpflicher Brunnen an Wissen sind erfahrene Imker. Nach meinem Lehrjahr und anschließenden Kursen habe ich wirklich viel gelernt. Aber die Details, das feine Wissen, das erfrage ich mir bei den ECHTEN Profis: bei Imkern die seit Jahrzehnten imkern, teilweise länger als ich lebe und oft schon in zweiter, dritter oder vierter Generation. Der Blick mit dem Profi ins Volk ist unbezahlbar und durch nichts zu ersetzen!

Also: Lasst euch nicht von Selbstdarstellern über den Tisch ziehen! Sonst kommt am Ende Mist raus, so wie hier:

Hier also mal einige Beispiele von katastrophaler Ahnungslosigkeit:

Ein Imker der seine Bienenbeute (das ist die Behausung der Bienen) bei kaltem Wetter in die Garage stellt. So ab 5 Grad und drunter ---->> Jede dieser Wanderungen bedeutet potentiellen Stress für die Tiere und es ist so sinnlos wie ein Kropf. Der normale Jahresablauf mit den gegebenen Witterungsverhältnissen ist völlig natürlich. Der Bien (so nennen Imker oft das Bienenvolk und drücken damit die Einheit des Ganzen aus) passt sich selbst an die Verhältnisse an. Er braucht keinen geschützten Raum. Im Gegenteil leidet er darunter, wird krank und schwach und landet schließlich, wie in diesem Fall, im Bienenhimmel.

Ein Imker der nicht wusste, dass Bienen Futter brauchen. Das erklärte er angesichts des sogenannten Hungerschwarms, den er überhaupt nicht zuordnen konnte. Das war im April, es war bitterkalt, und da halten die Bienen doch laut seiner Meinung eigentlich Winterschlaf. --->> Nö, Bienen halten überhaupt keinen Winterschlaf. Sie sind den ganzen Winter hellwach. Deshalb muss der Imker dafür Sorge tragen, dass das Volk ausreichend Futter zur Verfügung hat. Das muss er das ganze Jahr. Gibt es keinen Honig, muss der Imker füttern. Denn die Bienen verfallen auch nicht in Sommerstarre, wenn es kein Futter gibt.

 

Ein Imker der zwar den Honigraum aufgesetzt hat, aber die Futterwaben im Volk ließ. Wenige Tage später gab er von sich, die Bienen hätten schon fleißig Honig eingetragen und er müsse jetzt schleudern. Dies war wegen des anhaltend kalten Wetters aber überhaupt nicht möglich. --->> Die Bienen hatten einfach das im Volk belassene Futter umgetragen und das hätte der Jungimker mitgeschleudert und den potentiellen Kunden als Honig verkauft. In Wahrheit gab es aber auf jeden Fall zum Teil einfach  nur eingedicktes Zuckerwasser.

Ein Imkerin, die um den 20.März und bei vorrausgesagten winterlichen Temperaturen unter fünf Grad Ableger (Minivölkchen die aus Brutwaben und einigen Bienen bestehen) macht. Die Begründung war, dass man somit den Druck aus den Völkern nähme, so dass man das Schwärmen im Mai vorbeugen könne. Die selbe Imkerin machte sich Wochen später darüber lustig (!!!), dass die Qual, die sie den Bienen zugefügt hat, nur zu Scheiße geführt hat.  --->>  Kein Imker und keine Imkerin mit Verantwortungsgefühl würde so etwas tun. Es war bitterkalt, Schnee war vorausgesagt und Temperaturen unter fünf Grad. Der Ableger, ein Minivölkchen, musste deshalb extrem um seine Existenz kämpfen. Das war sicher ein bitterer Kampf auf Leben und Tod. An so einem Kampf ist rein gar nichts Lustiges. Nicht bei einem Säugetier. Aber auch nicht bei einem Insekt. Unabhängig davon zeugt es schlicht von fehlendem Wissen um das Bienenvolk.

Es gibt kaum Drohnen um diese Zeit und die paar wenigen fliegen erst so ab etwa 20 Grad. Eine starke Königin mit guter Legeleistung ist damit auszuschließen. Die Ansage, dass man im März Druck aus einem Volk nehmen muss, ist dreifach dumm, regelrecht idiotisch. Denn erstens kommt ein Bienenvolk im März erst richtig in die Gänge.

Zweitens kann man nicht zwei Monate vor dem Ereignis das Schwärmen verhindern. Wer auch  nur ein wenig Ahnung davon hat, warum ein Bienenvolk schwärmt, dem ist das bewusst. Und drittens: Ein versorgtes, gesundes Bienenvolk hat keinen Druck. Was für einen Druck soll ein Bienenvolk haben? Den Druck, sofern es überhaupt einen gibt, hat der Imker. Das Volk lebt einfach vor sich hin, macht was die Natur ihm vorgibt und achtet dabei wenig auf die Bedürfnisse des Imkers. Diese Imkerin, die diesen Mist verzapft hat, ist übrigens kein völliger Neuling. Sie hat ein Jahr nach mir mit der Imkerei begonnen. Einen Kurs hatte sie vorher nicht besucht. Später hat sie das (offensichtlich bei einem Flüsterer oder Profi) nachgeholt


Wir hatten dann noch einen Imker, sogar mit Text, den uns eine Imkerin freundlicherweise als Screenshot mitgebracht hat. Er schrieb ebenso um den 20. März herum, er müsse nun Ableger machen. Begründung wie oben: d
adurch würde der Druck aus dem Volk genommen was den im Mai einsetzenden Schwarmtrieb angeblich dämmen soll --->> Man ahnt, dass diese beiden den gleichen Ausbilder haben, der offensichtlich wenig bis kein Wissen zu vermitteln hat. Allenfalls aber technische Abläufe. Niemand der wenigstens Grundwissen hat, wird ernsthaft annehmen, dass man im März den Schwarmtrieb sinnvoll beeinflussen kann. Niemand mit Sachverstand würde bei Eiseskälte und Schnee im März Ableger machen! Und noch einmal: Das Volk hat keinen Druck. Man spricht ja auch von Schwarmstimmung und nicht von Schwarmdruck.

 

Ein Imker der sich sehr überrascht gezeigt hat, als ich ihm sagte, er habe eine starke Königin im Volk. Er war überrascht darüber, dass er überhaupt eine Königin hat. Denn schließlich wollte er ja gar nicht züchten.  --->> Ohne Königin fliegt sich das Volk leer. Die wichtigste Aufgabe der Königin ist es, Eier zu legen und damit für ständig neue Bienen zu sorgen. Da Arbeiterbienen im Schnitt nur ca. 6 Wochen leben, ist das Volk sonst in einer recht übersichtlichen Zeit einfach weg. Ohne Königin kein Bienenvolk.

Ein Imker der im März behauptet hat, Völker in Sommerstärke ausgewintert zu haben, was ja echt nicht alltäglich sei --->> Offensichtlich hat dieser Kandidat noch nie vorher ein Volk in Sommerstärke gesehen. Es böte sich daher an, seine Ahnungslosigkeit einfach dadurch zu verbergen, nichts zu schreiben, statt diese mit einem Entzücken über ein lächerliches Frühlingsvölkchen, zum Ausdruck zu bringen.

Was soll ich sagen? In diesem Fall richtet das mangelnde Grundwissen keinen Schaden an. Es ist einfach nur eine deutliche Zurschaustellung von völliger Ahnungslosigkeit. Laien kann man damit beeindrucken. Jeder Wissende wird für die Aussage dieses Imkers  nur lautes Lachen übrig haben.

 

Ein Imker der seinen Bienen zur Stärkung und damit sie nicht so viel sammeln müssen, jeden Tag einen Teelöffel Honig vom Supermarkt gibt. "Ach, da sind Sporen von Amerikanischen Faulbrut drin?" --->> Wenn die Bienen Futter brauchen, brauchen sie mehr als ein Löffelchen voll. Und wenn sie kein Futter brauchen, ist es eh nutzlos. Zusätzlich kann Honig aus dem Supermarkt eine schlimme Seuche übertragen. Mehr dazu findet ihr im Artikel über offene Insektenfütterung. Weiterer Kritikpunkt: Ein Volk tagtäglich bei jedem Wetter zu öffnen, um ihnen ihr Löffelchen Honig zu geben, lässt mich nur fassungslos zurück. Das Öffnen eines Bienenvolkes geschieht im besten Falle so selten wie möglich und so häufig, wie gerade nötig, denn es ist immer ein Eingriff, der Stress und Unruhe in das Volk bringt.

Ein Imker der im April öffentlich damit prahlte, die Honigräume seien so gut wie voll - und das bei einer Wettervorhersage, die jeden Imker eigentlich im Klaren darüber lässt, dass der  Honig gebraucht wird und dass das nichts darüber aussagt, wie viel Honig zur Erntezeit da ist. Das was ich verwerflich finde, kommt aber jetzt: Wir hatten heuer kein Honigjahr. Es blieb den Imkern nichts. Einige mussten sogar ihre Völker einfütten. Aber es gibt Imker, die pressen auch den kläglichen Rest aus ihren Völkern heraus. So auch dieser Imker. Auf seiner Facebookseite prahlte er mit seiner Honigernte, die leider nur für den Eigenbedarf reiche. --->> Die beste Nahrung für Bienen ist Honig. Deshalb nehme ich prinzipiell immer nur die Hälfte, um es zu schleudern. Sicher bleibt dies aber jedem Imker selbst überlassen. Insgesamt finde ich es dann aber dennoch schlimm, wenn sogar kleinste Mengen entnommen werden. Für mich gehört auch die Ernährung der Bienen und weshalb Honig für sie so wichtig ist,  zum Grundwissen. Dieses Beispiel zeigt vermutlich aber weniger das mangelnde Wissen, als so einen tendenziellen Hang zur  imkerlichen Gier. In diesem Fall war es für mich besonders bedeutsam, denn besagter Imker erzählte mir noch kurz vorher, er imkere nur aus purer Liebe zur Natur und wolle eigentlich überhaupt keinen Honig nehmen.

Ein Imker der sich ständig freut, weil er direkt an seinem Bienenstand so viele Schwärme fängt. --->> Der ist in Ahnungslosigkeit gebadet. Nachbarn haben das Schwärmen seiner eigenen Bienen sogar mehrfach beobachten können. Trotzdem denkt dieser Imker und gibt dies auch in den sozialen Medien so wieder, dass es fremde Schwärme seien. Dieser Imker sammelt seine eigenen Schwärme und Nachschwärme ein und weiß es nicht. Und ahnt es auch nicht. Dieser Imker denkt allen erntes, dass die Schwärme dieser Welt alle an seinen Bienenstand fliegen, um von ihm gefangen zu werden.

Ein Imker der sich vor drei Wochen drei Völker gekauft hat, für je 150 Euro. Er hat die Bienenstöcke hingestellt und jetzt, drei Wochen später sind die Bienen darin fast alle weg und die anderen stecken tot in den Waben. --->> Diese drei Völker sind schlicht und ergreifend verhungert. In den Waben steckende Bienen sind ein deutlicher Hinweis darauf. Wie bereits erwähnt: Auch Bienen leben nicht von Luft und Liebe. Sie brauchen Nahrung. Es ist so schrecklich. Man mag sich das Leid gar nicht vorstellen.

 

Ein Imkerin, die heuer im Januar eine Kollegin anrief und fragte, wann es denn Zeit wäre für die Vaorroabehandlung. "Jetzt dann irgendwann oder hätte ich das vor dem Winter noch machen müssen?" Ihre beiden Völker haben den Winter leider nicht überlebt --->> Ja also, vor dem Winter wäre nicht schlecht gewesen. Es gibt eine Sommerbehandlung gegen die Milbe und eine Winterbehandlung. Im Übrigen sollte jeder  Imker ein sinnvolles Konzept gegen die Varroamilbe haben, zu dem auch das Drohnenbrutschneiden, teilen von Völkern, Brutentnahme o.ä. gehören kann.

Ein Imker der zu einem Kollegen rannte und ihm aufgeregt ein Foto zeigte. Dicke, sehr plumpe Bienen würden in seine Völker eindringen und diese wohl ausräubern. --->> Die dicken, plumpen Bienen sind Drohnen. Ein Imker sollte doch zumindest wissen, welche Individuen sich in seinem Volk so aufhalten und welche Aufgaben sie haben. Und Drohnen haben definitiv wichtige Aufgaben!

 

Ein Imker, der ein Bienenvolk in die Wiese gekehrt und damit ungebraucht hat, weil es angeblich drohnenbrütig war. --->> Das Volk war nicht drohnenbrütig. Drohnenbrütig bedeutet, dass es keine Königin im Volk gibt und nun eine Arbeiterbiene Eier legt. Da diese Eier nicht befruchtet sind, gibt es nur männliche Bienen - die Drohnen. Ein Volk das nur noch männliche Brut hat, nennt man drohnenbrütig. Das Volk besagten Imkers war aber völlig in Ordnung. Es hatte eben auch Streifen mit Drohnenbrut. Ein völlig normaler Zustand in jedem Bienenvolk - abhängig von der Jahreszeit. So hat der Imker durch Nichtwissen ein gesundes Volk getötet.

Ein Imker der per WhatsApp-Aufruf jemanden sucht, der seine Völker kontrollieren kann. Am besten for free, aus Spaß an der Freude. Er selbst könne das nicht tun, denn er finde Bienen doch ziemlich gruselig. --->> Erinnert mich an unseren Hermes-Ausfahrer. Der hat schlimme Angst vor Hunden. Selbst dann, wenn sie hinter dem Zaun sind. Er wirft die Lieferungen aus dem fahrenden Auto vor unsere Garage. Bei beiden würde ich sagen: Sucht euch was Anderes! Ihr seid völlig fehlbesetzt.

Ein Imker der letzte Woche zu einem Kollegen kam und ihm seinen "fast kristallklaren Honig" präsentierte, den er gerade geschleudert hatte. --->> Nein, kein Honig. Er hatte die Bienen gefüttert und da er nicht wusste, dass Bienen ihr Futter in die Waben lagern, dachte er, es wäre Honig. Die Frage stellt sich, weshalb er das dachte. Was ist denn Honig? Es ist das Futter der Bienen! Aus welchem Grund sollten sie also Honig, nicht aber Flüssigfutter in die Waben einlagern?

 

Ein Imker, der am 23. März fröhlich auf Facebook postete, dass er heuer das vierte mal seine Bienen kontrolliere. --->> Das ist quasi Winter. Da muss man kontrollieren, ob die Bienen ausreichend Futter haben. Sonst nix. Wobei - es war bei UNS Winter. Es hängt natürlich von der Temperatur und anderen Faktoren ab. Aber bei uns war Winter. Ich habe um die Zeit noch null Kontrollen gehabt und verweise  mal drauf, dass man seine Völker auch zu Tode kontrollieren kann. Es ist jedenfalls jedes Mal ein starker Stress, der den Bienen da angetan wird. Wie bereits erwähnt: Kontrollen finden so selten wie möglich und so häufig wie unbedingt nötig statt. Nicht einfach so, weil man gerade Anfängerlaune hat. Jeder Eingriff bedeutet Stress, auch jeder nutzlose Eingriff.

Ein Imker der exakt per Kalender imkert und deshalb sagte: Vor dem 15.März macht man ein Bienenvolk nicht auf. Am 15. Mai wird der erste Honig geschleudert. Am 1. Juli wird der zweite Honig geschleudert. Am 15.Juli wird die erste Varroabehandlung gemacht. ---> Naja, muss man jetzt nicht extra erklären. Wann welche Abläufe im Volk passieren, entscheidet sich durch viele Faktoren: Volksstärke, Jahreszeit, Tageslänge, Temperatur. Aber ganz sicher nicht durch das Datum.

Ein Imker der vor zwei Wochen aus einem gekauften Volk gleich 10 Ableger gemacht hat, die nun alle bis auf einen kaputt sind. ---> Es war ihm wohl klar, dass Bienen, die keine Königin haben, sich einfach eine neue ziehen. Dass sie dafür aber ganz junge Brut benötigen, war ihm nicht klar. Fehlendes Grundwissen hat ein ganzes Bienenvolk vernichtet.

 

"Wer es schafft, dass seine Bienen den Winter überleben und im Sommer Honig geben ist noch lange kein guter Imker. Ein Imker der versteht, was im Volk passiert, ist ein guter Imker." All die oben gezeigten Fälle zeigen, dass es sich um Imker handelt, die entweder Wissen für unnötig halten. Oder aber, es sind Imker die sich von Leuten ihr "Wissen" holen, die selbst keines habe. Rein technische Abläufe wie das Bilden von Ablegern, die Varroabehandlung oder das Einwintern reichen nicht aus, siehe die Sätze meines Lehrmeisters.

Wenn du Bienen halten möchtest, dann mache bitte einen Kurs. Den Tieren zuliebe. Und damit ich diese Liste nicht beliebig verlängern kann.

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Kommentare: 22
  • #1

    Jetzt Imker (Dienstag, 11 Juni 2019 14:23)

    Könnt ich geschrieben haben, hab vor funf Jahren bei den "Imkerprofis# im Ort angefangen, junger Verein sehr motiviert. Wußte aber nie mehr als wie du schreibst "technische Abläufe". Unterstützung bei Ablegern zu Unzeiten, wie erntet man den letzten Tropfen Honig und Königinnenzucht die zum Scheitern verurteilt sind. Ein Kumpel war dann in einem alt eingessesen Verein und hat im ersten Jahr mehr gewust wie ich, bin dann auch grwechstelt. Heuer nochmal Anfängerkurs belegt und hatte dann mehr Ahnung als bei vier Jahren bei den Selbst ernannten Profis. Ich gehör jetzt zu den lernwilligen Jungimkern die echtes Wissen suchen. Problem ist das man das ja am Anfang nicht weiß. Es muß dringend auch an die Verantwortung von den Ausbildern herangetreten werden, was wegen ihrer selbst Überschätzung auch ein Problem sind.

  • #2

    Biene nicht Maja (Dienstag, 11 Juni 2019 15:50)

    Oh ja! Bin auch in ein bienen Flüsterer Verein, wo mir im März empfohlen worden ist Ableger zu machen damit der Schwarmdruck weg ist. Im Mai sind mir von sechs Völkern drei geschwärmt. Einer der lang imkert hat mir dann geholfen die anderen Schwärme zu verhindern, weiß jetzt das man nicht nur nach Schwärmzellen schauen musd. Werd den Verein verlassen weil ich jetzt woanders ein Kurs gemacht hab

  • #3

    Ilsebill (Dienstag, 11 Juni 2019 17:37)

    Conny super! Hoffe dass die Schwemme bald ein Ende hat. Hier gibt es auch wieder "Kurse für den Interessierten". Abgehalten von einem selbsternannten Bienenflüsterer, der seine Nachschwärme publiziert hat... "Drei Schwärme innerhalb von nur einer Woche und alle sind zu meinem Bienenstand geflogen. Den gefällz wohl bei mir" Der Typ imkert im dritten Jahr und will jetzt einen Verein gründen "um Jungimker fundiert zu informieren". Ich brech gleich in Tränen aus!

  • #4

    Helen (Dienstag, 11 Juni 2019 22:03)

    Endlich sagts mal einer! Danke für den schönen Post!

  • #5

    L.A. (Mittwoch, 12 Juni 2019 08:03)

    Da sagst du was. Wir haben hier auch so einen Bienenflüsterer. Irgendwie total asi. Zähne rausgefault, irgendwie fettig und schmierig. Gibt Kurse. Haha! Ich zeig dir mal Videos was mein Mädl gemacht hat. Tut so wie wenn er die Klopfprobe erfunden hätte. Ja macht auch Ableger im März. Kann verschiedene Weiselzellen nicht unterscheidet und erklärt bei inaktiven Bienen, die seien am Relaxen. Er erkennt nicht die Schwärmigkeit, auch nicht an den anderen Zeichen. Der zieht die Waben, hebt sie hoch und erzählt Müll. "Das sieht alles ganz gut aus." Warum es scheiße ausschaut erkennt er nicht. Weil er keine Ahnung hat. Aber das sind genau die Leute, auf die Nichtsnutze anspringen. Traurig traurig!

  • #6

    Laura (Donnerstag, 13 Juni 2019 00:15)

    Das Engagement von Rita ist hammer. Sie ist neben dir einer der ganz wenigen die ich kenne, die von Naturschutz usw nicht nur reden. Ihr lebt es. Freut mich, dass du Ritas Bitte um diesen Text nachgekommen bist. Ihr beiden seit ein großes Vorbild für mich!

  • #7

    Kurt (Donnerstag, 13 Juni 2019 16:01)

    Joah, war bei den Bienenprofis im Ort. Neuer Verein kein Profi dabei. Wollen neue Wege gehen?!!! hab im April ein gescheiten Kurs gemacht und alle meine Völker sind nicht geschwärmt. Deren Völker sind geschwärmt. Fünfte Kontrolle Ende März! Gut gebrüllt Löwin!

  • #8

    Geli (Freitag, 14 Juni 2019 15:58)

    Was für ein toller Text. Und ich finde es super wie du das gestern all diesen Kindern beigebracht hast. So liebevoll und kindgerecht. Jeder hat es verstanden. Die Krönung des ganzen war der Wabenhonig und ich will mich noch einmal sehr herzlich im Namen der ganzen Klasse bei dir bedanken. Du bist eine wahre Lehrmeisterin für den Artenschutz und ein großes Vorbild für Klein und Groß.

  • #9

    Bettina Aigner (Sonntag, 16 Juni 2019 09:08)

    Ja Stögl und die plappert den ganzen gequirlten Käsequark völlig bedenenlos nach. Sogar ihr Honigetikett schaut total aus wie das von dem Pseudo-Profi. Die passen gut zam.

  • #10

    Tody (Montag, 17 Juni 2019 09:16)

    Es geht um Tiere!

  • #11

    Kathi (Dienstag, 18 Juni 2019 08:39)

    Ja liebe Conny, großes Lob! Vielmals danke! Zur Erklärung: ich war drei Jahren in Kursen und Betreuung bei einem selbsternannten Bienenflüsterer. Nach Connys Maßstäben war ich kein guter Imker zuden nicht auf den Weg dorthin. Ich hab die Bienen über den Winter gebracht und Honig geerntet. Seit Anfang Mai mehrere Schwärme und Nachschwärme trotz Schwarmverhinderung seit März. Mein Bienenflüsterer hat gesagt, da kann man nix machen ist halt ein Schwarmjahr. Conny hat mich ausgelacht und gesagt, sie kann mir sagen, ohne Zellen zu suchen, welches Volk bald schwärmen wird. Sie hat recht gehabt! Jetzt ist Conny meine Königin und ich hab viel gelernt in paar Wochen. Mehr als un drei Jahren beim "Profi".

  • #12

    Laurenz (Samstag, 29 Juni 2019 11:53)

    Geiles Statement. Wir haben hier auch jede Menge Ärger mit Bienenfütterern, Bienenflüsterern und Bienenprofis. Bei uns im Verein kocht es hoch und immer mehr verlangen einen Sachkundenachweise. Ist zwar wieder ein Stück Bürokratie mehr aber das Problem ist gelöst.

  • #13

    Iris Kraller (Samstag, 29 Juni 2019 20:59)

    Im Grunde würd ich sagen sind junge Imkervereine nicht so schlecht. Vorraussetzung ist natürlich eine solide Basis und auch die Erkenntnis wieviel Wissen man hat und ob es reicht um damit andere Imker auszubilden. Die Fälle die da bei unserem Meeting vorgelegt wurden und die du so wunderbar kommentiert hast, sind aber eben Zeuge davon, dass diese Leute, die ja alle in einer Ausbildung sind, nicht fundiertes Wissen, sondern, wie du schreibst, technische Abläufe eingetrichert kriegen und das Individuum Biene völlig untergeht und nicht beachtet wird. Schwarmverhinderung und Ableger im März, Bienen mit Leckerli (ein wenig Reizfütterung) zeigen Wissenslosigkeit. Mit Tieren experimentiert man aber nicht.

  • #14

    Vanessa (Sonntag, 30 Juni 2019 15:23)

    Richtigstellung: Es kommt immer wieder mal zur Sprache und auch ich wurde gefragt: NEIN,die Autorin von dem Artikel hat sich das nicht aus der Nase gezogen. Es sind vom Imkerinnen und Imkern aus unserem Umfeld gesammelte Fälle, die bei einem Treffen zur Sprache gekommen sind. Die Autorin von dem Artikel hat nicht einen Punkt beigetragen sondern nur aufgeschrieben, was die Schriftführerin notiert hatte. Die Imkerinnen und Imker die in Beteiligung sind haben ihre Fälle durch Screenshots von Facebook oder aus Chats oft sogar beweisen können. Andere Fälle waren mehreren Imkern bekannt und so belegt.

    Es IST erschreckend WEIL es Tatsachenberichte sind! Bitte geht zu einem anständigen Verein und nicht zu irgendwelchen Leuten die meinen die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben. Kein Imker mit einer anständigen Ausbildung wird solche krassen Fehler machen wie die aufgezählten! Wenn ihr euch in den Beispielen wieder findet solltet ihr nicht sauer sein. Ihr solltet mal nachdenken was ihr für ein beschissenens Grundwissen habt das erfahrene Imker so entsetzt sind, dass die ein Meeting zum Problem abhalten!

  • #15

    Rita (Montag, 01 Juli 2019 08:55)

    Super so! Legt den Tierquälern und Ausbeutern endlich das Handtuch. Nicht dass ich nicht ebenso gerne Honig nasche. Mag ich sogar sehr, sehr! Doch die Tiere nur noch als Mittel zum Zweck halten ist konventionelle Massentierhaltung. Von Tierschutz reden und dann nur schauen wie viel raus kommt, Tiere dabei quälen mit mistigen Experimenten, das geht garnicht! Wer keine Ahnung hat und so blöde Sachen macht wie oben geschildert, sollte nicht imkern dürfen, meine Meinung!

  • #16

    Ich bin die Freundin von der einen Imkerin (Dienstag, 02 Juli 2019 11:07)

    Also eine kenn ich ganz bestimmt, weil das trifft zu. Die geht zu so ein Profi, der angeblich alles ganz toll und ganz neu macht. Die redet von Umwelt und Natur aber ist ihr am Ende egal. Und die macht alles gleich wie der Profi. Die macht ihre Bienenkästen so. Das Bienenhonigeticket sieht fast gleich aus und die nimmt das gleiche Wort. Die macht alles was der macht und eigentlich kann die schon froh sein, dass bei dem auf dem Honig nicht steht "Stinkhonig vom Dummprofi". Das würde die auch noch nachmachen. Traurig. Also so richtig gut befreundet sind wir nicht und das hat auch seinen Grund.

  • #17

    Tippitoppi (Dienstag, 02 Juli 2019 18:52)

    Ich imkere seit 30 Jahren und so schlimm wars noch nie. Aber wahrscheinlich beruhigt sich das ganz allein.

  • #18

    Hilli (Freitag, 05 Juli 2019 00:23)

    Jo... informativ und warnend. Finde alle Punkte total krass. Aber die Ableger bei spätwinterlichen Temperaturen, um Druck von den Völkern zu nehmen... Made my day. Oder die Völker in Sommerstärke beim Auswintern. Hahahahahahaha! Warum nur gehen hier keine Smileys?

  • #19

    Birgit (Sonntag, 07 Juli 2019 13:33)

    Kann man nicht glauben. Keiner stellt Bienen in die Garage oder macht Ende März Ableger. Keiner! Oder doch? Nein, bestimmt nicht! Das sind wirklich sehr krasse Sachen was du da beschreibst. Druck aus den Völkern nehmen in März / April? Bienen mit Löffelnweise Honig futtern? Die haben doch alle einen Knall!!! Ich bin für die Einführung eines Sachkundenachweises. Dann hat so ein Mist ein Ende!

  • #20

    Iiiiieegitt! (Freitag, 12 Juli 2019 00:24)

    Na super, jeder darf Bienen halten und Kurse geben. Zum Kotzen

  • #21

    Meidl (Sonntag, 14 Juli 2019 18:31)

    Jede Welle spült sich an irgendeinem Strand zu Tode. Schau doch die Pferdeflüsterer an, die noch vor 15 Jahren überall wie Pilze aus dem Boden schossen. Die sind heute alle... Nunja, sagen wir mal: Wie eine Welle am Strand zu Tode gespült. Große Klappe, nix dahinter. Und auch diese Welle der selbsterannten Naturhelden wird sich zu Tode spülen. Alles geht vorbei. Nichts ist von Dauer. Und gerade das was so schnell wächst, ist am nachhaltigsten versenkt.

  • #22

    Raimund (Montag, 07 Juni 2021 21:05)

    Meinen Nachbarn sind alle Bienen gestorben. Der hat drei Völker gekauft im März. Und jetzt sind die tot. Die stecken alle in den Waben. Wie du schreibst: Sie sind verhungert. Der Nachbar: "Woher hätte ich wissen sollen das ich da eingreifen muss wenn es immer regnet und kalt ist?" Ja, wenn du ein Kurs gemacht hättest zum Beispiel.