Wishful Things by Cocorona


Upcycling  *  Refurbished  *  Preloved  *  Secondhand  *  Hobby-Imkerei

Schönes und Nützliches aus neuen und gebrauchten Materialien

 

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Wishful Things im Shop

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Cocorona, das bin ich - Conny Mittermeyer. "Cocorona" ist ein Wortspiel aus "Coco", wie ich früher von einigen Freunden genannt wurde, und "Corona", was Krone bedeutet. Mein Name bei allen Belangen im Internet, von Mail bis Homepage, war schon viele Jahr lang Cocorona, bevor über das Virus öffentlich gesprochen wurde. Und ich habe schon Upcycling betrieben, da gab es das Wort "Upcycling" noch gar nicht. Jedenfalls wurde es im deutschen Sprachgebrauch nicht genutzt. Damals wie heute war und ist es mir wichtig, Dinge so lange zu nutzen, wie irgendwie möglich, um dadurch Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu schützen. Heute ist das Thema wichtiger als je zuvor.

Für eine lebenswerte Welt, auch für die Generationen, die nach uns kommen.

Dass das nicht bedeutet, in Sack und Asche gehüllt in einer Höhle zu leben, beweisen all die Dinge in meinem Shop.

Schönes und Nützliches, weitestgehend mit und aus gebrauchten Materialien hergestellt.

Im Blog befasse ich mich mit allerlei unterschiedlichen Dingen. Zum einen schreibe ich gerne über die Imkerei, die Honigbiene und andere relevante Punkte. Es wird in Zukunft Tutorials geben. Für alles, was ich wichtig finde (und ihr hoffentlich auch) gibt es die Kategorie "Plauderstunde".

 

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Blog-News

Du hast nicht keine Zeit

Welpe schläft zwischen Blumenstöcken
Er schläft, wann er Lust hat. Er hat ja auch Zeit dazu.

Noch nie hatte der Mensch so viel Freizeit wie heute. Die Wochenarbeitszeit ist vergleichsweise kurz. Im Alltag helfen uns jede Menge technischer Errungenschaften dabei, Zeit und Kraft zu sparen. Und trotzdem sind Stress, Hektik und Schnelllebigkeit allgegenwärtig. Ebenso der Satz: "Ich habe keine Zeit". Menschen hetzen von Termin zu Termin, fahren "schnell" zum Einkaufen oder erledigen "schnell noch" dies und jenes. Sie machen sogar Speed-Dating, perfektionieren Multitasking gegen Zeitmangel und kämpfen gegen die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen, auch weil man durch Rasen angeblich viel Zeit spart. Wie ist das möglich?  Wo ist all die Zeit hin?

 

Frauen sind besonderes betroffen

Auf meiner Suche nach Antworten ist mir besonders in Gesprächen mit Frauen aufgefallen, dass viele von ihnen in Hamsterrädern stecken. Deutlich mehr Frauen als noch vor einigen Jahrzehnten sind sie ganztags berufstätig. Die unbezahlte Arbeit, die immer noch im Wesentlichen Pflicht der Frauen ist, bleibt aber trotzdem. Sie machen den größten Anteil der Hausarbeit. Und auch was die Pflege von Angehörigen angeht, sind sie es, die die unbezahlte Last tragen müssen. Aber mir ist in den Gesprächen noch etwas aufgefallen: Viele Frauen lassen sich von Menschen aus ihrem Umfeld regelrecht vor den Karren spannen. Und damit meine ich nicht, dass man als Familie nicht füreinander da sein sollte. Frauen helfen ihren erwachsenen Kindern, anderen Familienmitgliedern oder auch Freunden in Dingen, die diese selbst erledigen könnten, wenn sie nur wollten. Frauen opfern also ihre eigene Zeit, um anderen Menschen Zeit zu sparen. Sie machen sich ihr Leben schwer und die Zeit knapp, um den Familienmitgliedern das Leben leicht zu machen und ihnen zu mehr Freizeit zu verhelfen. Dieser Altruismus hat mich zunächst erschlagen. Wofür soll es gut sein, erwachsenen Menschen Arbeiten abzunehmen, die sie selbst erledigen könnten, wenn sie nicht so verpeilt oder unorganisiert wären oder aber einfach die Unbequemlichkeit scheuen? Ich habe mit einem Psychologen darüber gesprochen und seine Antwort war ein Zitat von Aristoteles: "Die ideale Frau verspürt Freude, wenn sie anderen einen Dienst erweisen kann!" Mancher mag das Zitat kennen und weiß deshalb, dass es im Original nicht "Frau", sondern "Mensch" heißt. Aber es sind offenbar im wesentlichen Frauen, die heute noch diesem Bild entsprechen. Nicht im Allgemeinen, denn auch Männer sind hilfsbereit und für andere da. Aber immer dann, wenn es über das Nötige hinausgeht, verspüren vor allen Dingen viele Frauen große Freude, wenn sie anderen Menschen lästige Aufgaben abnehmen können. Prosoziales Verhalten ist, so wird es vermutet, angeboren und schützte schon immer die Familie als Ganzes. Wenn Familienmitglieder füreinander da sind, werden Probleme auf viele Schultern verteilt und sicherten so seit jeher das Überleben. Und auch wenn es für die agierenden Frauen ein momentanes Glücksgefühl bedeutet, ihrem Mann oder ihren Kindern eine Belastung abgenommen zu haben, überwiegen für sie deutlich die Nachteile: Frauen die von ihrem Umfeld derart in Anspruch genommen werden, was letztendlich bedeutet, dass sie sich in Anspruch nehmen lassen, sind ständig unter Druck und Stress.

Motorradfahrer mit Sozius
Mit Vollgas in den Freizeitstress

Zeitdiebe und andere Stressfaktoren

Aber bei meinen Interviews  habe ich nicht nur altruistische Frauen über Zeitknappheit sprechen hören. Neben Menschen, die beruflich über Gebühr beansprucht werden, gibt es auch die, die sich Zeiträubern hingeben. Mehr als fünf Stunden am Tag verbringen wir durchschnittlich an Bildschirmen wie Fernsehgeräten oder Smartphones. Selbst Menschen, die von sich selbst behaupten, wenig Zeit am Smartphone zu verbringen, sind erstaunt, wenn sie die Monitor-Zeiten sehen, die man an vielen Geräten abrufen kann. Selbst kurze Zeiten summieren sich im Laufe eines Tages zu Stunden. Wer seine Freizeit am Handy oder Computer verbringt und dabei Entspannung empfindet, mag das Richtige tun. Wenn aber am Ende keine Zeit mehr für Dinge bleibt, die man eigentlich gerne im Leben hätte, dann sollte man seinen Fernseh- und Internetkonsum überdenken. Die Zeit an den Geräten wird von vielen deutlich unterschätzt. Einige meiner Gesprächspartner haben mir Einblick gewährt, in die Untiefen ihrer Smartphones und die Zeiten, die sie mit den Apps verbringen. Viele von ihnen fielen regelrecht aus den Wolken. Laura z.B. schätze ihre Zeit am Smartphone mit ca. 20 Minuten täglich recht kurz ein. Aber als wir dann nachsahen, staunte sie nicht schlecht. In den vergangenen sieben Tagen hatte sie allein auf dem bekanntesten aller Messenger-Dienste 142 Minuten zugebracht. Nochmal so viel Zeit war sie auf Facebook und etwas mehr, nämlich 168 Minuten war sie auf Instagram aktiv. Das sind zusammen mehr als sieben Stunden. Zeit, die sie nicht einmal wahrgenommen hat, weil sie ja immer nur mal ein wenig reinschaut, was so los ist.

Wer selbst mal seine Zeit am Bildschirm kontrollieren möchte, findet hier Hinweise, wie das möglich ist: Chip Online: Kontrollieren Sie Ihre Nutzungszeit

 

Ein Thema ist mir besonders ins Auge gefallen. Besonders viele Menschen, die von sich behaupten, ständig gestresst zu sein und viel zu wenig Zeit zu haben, leiden schlichtweg unter Freizeitstress. Wer von Montag bis Freitag jeden Tag etwas für seine Freizeit geplant hat und dann am Wochenende noch Party macht und Radtouren macht, muss sich nicht wundern, wenn er sich gestresst fühlt. Daniela und Martin haben mir erzählt, dass sie leidenschaftliche Motorradfahrer sind. Noch während sie eine Tour machen, planen sie während der Pausen bereits die nächste Tour. Schließlich wolle man die Saison nutzen. Sie haben dadurch viele Freunde verloren, denn für die haben die beiden nur noch im Herbst und Winter Zeit. Und auch da nicht allzu viel, denn schließlich gehen sie auch noch gerne Skifahren. Daniela fühlt sich "manchmal bedrückt" und sie sagt: "Manchmal habe ich das Gefühl, wir bewegen uns in einem Hamsterrad. Zeit für Spontanes haben wir eigentlich nie, obwohl die Kinder aus dem Haus sind und die Arbeitszeit viel Freizeit lässt.". Dass Freunde dafür mehr und mehr Verständnislosigkeit zeigen, findet sie "unnötig". "Im Winter nehmen wir uns ja Zeit für sie. Wir verbringen viel Zeit mit Lieblingsfreunden. Und die anderen planen wir zwischendurch auch rein."

 

Wer ständig im Stress ist, vernachlässigt oft Freunde

 

Aber wer will schon "zwischendurch reingeschoben" werden? Bei all den Gesprächen mit Gestressten und mit Psychologen fiel mir eines sehr schnell auf: Irgendwelche Menschen aus dem Umfeld der Dauergestressten kommen immer zu kurz. Beziehungen, welcher Art auch immer, kosten Zeit, die im besten Fall Wohlfühlzeit sein sollte. Also Zeit, die man als sinnvoll verbracht und wertvoll empfindet. Niemand möchte nur im Winter Freund genug sein. Niemand möchte irgendwo zeitlich untergebracht werden. Menschen haben mir Geschichten erzählt, von Freundschaften, die sie abgebrochen haben, weil die Person ja eh nie Zeit hat. Oder nur im Winter? "Ja", sagte Kathi, "im Winter haben immer alle Zeit. Aber ab dem Frühling bin ich nicht gut genug. Da bin ich außen vor."
Ich höre Geschichten von Zusagen und Absagen. Als ob man sich das nicht wenigstens sparen könnte.

"Wenn jemand immer sagt, dass er Zeit hat, oder sich Zeit nimmt und am Ende kassiere ich eh nur wieder eine Absage, dann hab ich da echt keine Lust mehr drauf."
Und tatsächlich scheint neben dem Dauerstress ein weiteres Problem im Vordergrund zu stehen: Im offenbaren Wunsch, für Menschen da zu sein, machen die Dauergestressten Zusagen, die sie am Ende nicht halten können. Damit stoßen sie Menschen wieder und wieder vor den Kopf. Das ist nicht nur verletztend, es kann auch zu Problemen führen, und zwar dann, wenn es um ein Hilfsangebot geht, das dann nicht eingehalten wird. Wer wie ich z.B. nicht Auto fährt und dehalb auf Hilfe angewiesen ist, steht mehr als  dumm da, wenn er Zusagen bekommt und dann am Ende doch niemand Zeit hat. Termine beim Hufschmied bekomme ich eigentlich nur noch unter Betteln und Heulen. Warum? Ich musste immer und immer wieder Termine in Folge absagen, weil die zugesagte Hilfe von Freunden ausblieb. Und auch Andrea hat so ihre Erfahrungen gemacht. Nach einem Unfall vor drei Jahren ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Vor dem Unfall besuchte sie leidenschaftlich gerne Flohmärkte oder Wochenmärkte. Da sie sich nicht zutraute, allein in der Menschenmenge mit dem Rollstuhl zu fahren, bat sie Freunde um Hilfe. Sie erzählt: "Ich habe mir im Frühjahr die Termine von 14 Märkten in der Nähe rausgesucht. Ich wollte nur auf einen. Die Termine waren nur Vorschläge. Ein Markt in diesem Jahr. Ich habe einige Zusagen gekriegt von Freunden und die haben dann gesagt, klar, da fahren wir hin. Kein Problem! Aber dann kamen für jeden Termin nur Absagen. Jeder hatte immer etwas Besseres zu tun, als mit mir auf einen Markt zu gehen. Ich war auf keinem einzigen Markt. Niemand hatte Zeit."
Und Martina sagt es kurz: "Von manchen kriegt man nur Absagen.  Ob das um Kaffeeklatsch geht oder irgendeinen Gefallen: Die haben immer was Anderes vor."
Hmmm.... Etwas Anderes? Etwas Wichtigeres?

 

Fazit

Es wird immer Menschen geben, denen das Leben so viel abfordert, dass sie kaum Zeit zum Atmen haben. Für alle anderen gilt: Bei Vollzeitjob und acht Stunden Schlaf pro Nacht haben wir 72 Stunden Freizeit pro Woche. Wir haben also nicht keine Zeit. Wir verwenden die Zeit eben. Das tun wir, indem wir Prioritäten setzen. Manches hat mehr und manches hat weniger Prioriät. Aber wie wir die Zeit verbringen, das entscheiden wir ganz bewusst. Natürlich funkt uns mal was rein. Das Leben läuft ja nicht auf Schienen. Aber ganz viel von dem Stress, ganz viel von der Zeit die einem so durch die Finger rinnt, ist bewusst verplante Zeit. Weil wir uns nicht aufteilen können, setzen wir Prioritäten. Nach all den Gesprächen bin ich der Meinung, dass man sich an der Stelle ehrlich machen muss und zwar vor sich selbst und vor weiteren Betroffenen. Wenn ich für eine Person oder eine Sache immer wieder keine Zeit habe, dann hat die Person oder Sache eben keine Priorität für mich. Es macht keinen Sinn, sich selbst etwas anderes einzureden. Und es ist verletztend und hat unter Umständen sogar Konsequenzen, wenn ich der Person immer wieder meine Zeit und Aufmerksamkeit in Aussicht stelle, aber der Person dann immer wieder Abfuhren erteile. Dafür muss niemand Verständnis haben. Manchmal ist es einfach nötig zu sagen, dass man eben andere Prioritäten hat.

Wer sich ständig gestresst fühlt, sollte genau diese Prioritäten überprüfen! Ist es wirklich nötig, dass ich meiner erwachsenen Tochter / meinem erwachsenen Sohn diese und jene Last abnehme? Macht es wirklich noch Spaß, jeden Tag bei schönem Wetter in einer Motorradkluft durch die Gegend zu fahren? Sollte ich das Handy vielleicht besser mal zur Seite legen? Und vor allen Dingen: Was würde ich denn gerne tun? Mit wem würde ich gerne Zeit verbringen? Wie kann ich meine Zeit als Genusszeit gestalten, statt als Dauerstress?

Vielleicht müssen wir uns alle mal wieder in einer Disziplin üben, die die meisten von uns verlernt haben: Rumliegen und langeweilen. Und während dieser erholsamen Zeit können wir darüber nachdenken, wie wir uns in Zukunft mehr schöne Zeit inklusive Genusszeiten mit Menschen einräumen, die uns am Herzen liegen.

 

 

 

 

 

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