Bitte nicht: Insektenfütterung

Heute geht es um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und das nicht ganz leicht zu behandeln ist. Es geht um eine Sache, die Menschen machen, weil sie etwas besonderes Gutes tun wollen. Und sie tun es, ohne auch nur zu ahnen, wie viel Schaden sie damit anrichten können. Es geht um Futterstellen für Insekten. Insektenfreunde füllen Gefäße mit Zucker- oder Honigwasser, gerne sind auch exotische Angebote wie Ahornsirup o.ä. dabei, und freuen sich tierisch, wenn sich Insekten vieler Arten um diese Futterstelle tummeln.

Ein ganz böses Foul! Ich kann es nicht oft genug sagen, was für schlimme Folgen das haben kann. Aus gutem Grund ist diese Form der Insektenfütterung nach Bienenseuchenverordnung sogar unter Androhung sehr hoher Geldstrafen verboten! Es geht mir hier aber nicht darum, den moralischen Zeigefinger zu erheben und auf die Einhaltung von Verboten zu pochen. Es geht mir darum, euch verständlich zu machen, wie gefährlich diese gut gemeinte Sache sein kann.

Mal eines vorweg: Wenn ihr eine geschwächte Hummel findet, könnt ihr ihr gerne einen Tropfen Zuckerwasser anbieten. Honig nur, falls ihr welchen vom Imker aus der Nachbarschaft habt. Die Hummel wird sich möglicherweise schnell wieder erholen, wenn sie einfach nur geschwächt und hungrig ist. Ein Tropfen Zuckerwasser für ein einzelnes Insekt ist völlig okay. Aber bitte NIEMALS Schalen mit Zucker- oder Honigwasser aufstellen. Warum?

 

 

1. Übertragung von Krankheiten durch Honig

In Honig können Sporen der Amerikanischen Faulbrut enthalten sein. Diese Sporen, die für den Menschen völlig unbedenklich sind, können eine verheerende Seuche bei den Bienen auslösen, die dazu führen kann, dass viele Völker vernichtet werden müssen, um eine Ausbreitung der Krankheit auf andere Bienenvölker zu verhindern.
Wenn bei einem Bienenvolk die Amerikansiche Faulbrut, kurz AF, auftritt, ist der Imker dazu verpflichtet, dies dem Veterinärsamt zu melden. Der zuständige Veterinär entscheidet dann was zu geschehen hat. Immer wird ein Sperrbezirk rund um diese Imkerei eingerichtet, so dass auch viele andere Imker von Maßnahmen betroffen sind. Und je nach Befall und Stand der Lage entscheidet der Veterinär, welche und wie viele Völker vernichtet werden müssen, um der Seuche Einhalt zu gebieten.

Eine schreckliche Sache, die unfassbar vielen Bienen das Leben kostet!


2. Übertragung von Krankheiten durch Mikroklima und unnatürlich starkes Insektenaufkommen

Insgesamt sind solche Futterstellen durch das wilde Gedränge ideal dazu geeignet, Krankheiten schnell und effizient zu verbreiten. Die Futterstellen sind optimale Brutstätten für Keime, die sich beim entstehenden Gedränge schnell über die Insekten verteilen können. So kann man ratz-fatz am Tod unzähliger Insekten schuld sein.

 

 

Ich bin durchaus der Meinung, dass bereits diese beidem Gründe völlig ausreichend sind, um auf das Aufstellen der Futterstellen zu verzichten. Fakt ist: Wer Insekten füttert, will ihnen was Gutes tun. Er kann abewr stattdessen massiven Schaden anrichten. Wer will das schon? Aber es gibt weitere Gründe.


3. Futterstellen für Insekten fördern Räuberei unter Bienenvölkern

Wenn Honigbienen so eine ergiebige Futterstelle auffinden, sind sie hochgradig entzückt. Leichter kann man seinen Sammeldienst nämlich gar nicht erledigen. Vorsichtshalber schicken sie auch gleich so eine Art "Schnüffelbienen" los, um weitere derart ergiebige Quellen zu finden. Die Schnüffelbienen sind Meister ihres Fachs und schnüffeln aufgeregt alles ab, was zum Ziel führen könnte. Es ist, als hätte das Volk Blut geleckt und will mehr. Raffgier setzt ein. Wenn diese kundschaftenden Bienen nun beim Herumschnüffeln dann zufällig ein schwaches Bienenvolk finden, sind sie damit auch ganz gut zufrieden. Es kann es zur sogenannten Räuberei kommen. Die Schnüffelbiene holt dazu ihre Arbeitskolleginnen zu diesem schwachen Volk und gemeinsam beklauen sie das Völkchen, ohne Rücksicht auf Verluste, so dass das kleine Volk nicht selten dabei zugrunde geht.

 

4. Die im Futter wachsenden Keime werden in die Bienenstöcke getragen

Die Honigbienen tragen die Futtersuppe natürlich in ihren Bienenstock. Die darin durch den großen Andrang befindlichen Keime nehmen sie gleich mit, so dass die großtmöglichste Chance zur Krankheitsübertragung gegeben ist. Aber die Bienen füttern damit auch ihre Brut, die damit schon von Kindesbeinen an schwächelt, so dass auch das Volk geschwächt wird. Wird während oder nach der Zeit der Einwinterung Zuckerwasser oder anderes angeboten, dann wird auch das in den Stock getragen. Sind die Vorräte dann durch zu viele Keime verseucht, stirbt das Volk im Winter durch das kontaminierte Futter. Ebenso ist es möglich, dass das eingetragene Futter als Winterfutter überhaupt nicht geeignet ist und die Bienen dadurch erkanken.

 

5. Wer will schon eingedicktes Zuckerwasser statt Honig?

 

Die Bienen lagern das Zuckerwasser auch während der Trachtzeiten in ihre Waben ein. Wenn der Imker dann den vermeintlichen Honig schleudert, weiß er nicht, dass er Zuckerwasser schleudert. Das Produkt Honig wird dadurch verfälscht.


Ihr seht, der mögliche Schaden ist einfach riesig. Was man Schlechtes mit solchen Futterstellen anrichten kann, ist einfach zu viel, als dass man noch etwas Gutes dran finden könnte.

 

Wenn ihr etwas für Insekten tun wollt, stellt Schalen mit Wasser auf. Achtet bitte darauf, dass die Insekten nicht ertrinken können. Und pflanzt insektenfreundliche Pflanzen. Das geht auch auf dem Balkon!

 

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