Halten Honigbienen Winterschlaf?

Ich stelle jetzt mal die Antwort auf diese Frage ganz an den Anfang. Nein, Honigbienen halten keinen Winterschlaf! Sie rücken ganz eng zusammen, so dass sie eine Art Klumpen bilden, die sogenannte Bienentraube. Und dann zittern sie sich regelrecht warm. Die Königin, inmitten der Bienentraube, wird gepflegt und versorgt. Die Arbeiterbienen wechseln ihren Platz innerhalb der Traube, so dass jede der Bienen mal innen und mal außen sitzt. Nur wenn die Temperaturen draußen es zulassen, verlassen sie den Bienenstock, um sich zu entleeren. Bienen kacken also unter normalen Umständen nicht in ihre Behausung. Sie haben eine Kotblase, in der sie zurückhalten, was nicht in den Stock soll, bis Wärme das Entleeren der Kotblase außerhalb des Bienenstockes zulässt.

Funfact: Die Zeit bevor sie sich in einer Bienentraube gegenseitig wärmen, ist der Beginn des Imkerjahres. Unser Inmkerjahr startet also zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Bienen auf die nächsten Saison vorbereitet, so dass sie im Frühling mit besten Bedingungen durchstarten können.

Wie macht der Imker also seine Bienen fertig für den Winter und wann beginnt er damit?

Wenn der Sommer sich seinem Höhepunkt zuneigt und die Temperaturen nochmal richtig ansteigen, dann ist für den Imker schon die Zeit gekommen, seine Völker auf den Winter vorzubereiten.

Die Haupttrachten, also die wichtigsten Futterpflanzen für die Honigbienen, sind längst verblüht. Was darauf folgt, nennt der Imker "Läppertracht", also ein paar Pflanzen hier, einige Blüten dort. Nichts Handfestes mehr in Sicht. Im Juli wird deshalb das letzte Mal Honig geschleudert. Bei mir bleibt etwa die Hälfte des Honigs den Bienen.

Deshalb füttere ich nach dem Schleudern nicht direkt ein, wie es ein Imker tun muss, der den Bienen den ganzen Honig wegnimmt. Die Völker müssten sonst Hunger leiden. Ich beginne nach dem Schleudern mit der Varroabehandlung.

Die Varroamilbe stammt ursprünglich aus Südostasien und ist ein leidbringender Effekt der Globalisierung. Anders als die asiatische Biene, kann unsere Honigbiene der Varroamilbe nichts entgegensetzen. Jahr für Jahr sterben Völker an den Folgen der Besiedelung mit der Varroamilbe. Deshalb muss der Imker eingreifen und seine Völker so gut wie möglich vor dem Befall schützen. Dazu haben wir heute verschiedene Möglichkeiten und zugelassene Medikamente. Durch verpflichtende Wartezeiten nach der Behandlung, kann der Käufer von Honig auch sicher sein, dass sich im Honig keine Rückstände von Säuren und Medikamenten befinden. Ich schütze meine Völker während der Saison durch imkerliche Eingriffe gegen die Milbe und später im Jahr behandle ich ausschließlich mit Säuren, die in der Natur vorkommen. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Übertragung der Säure auf den Honig ohnehin ausgeschlossen, weil der Honig ja bereits geschleudert wurde.

Nach Beendigung der Varroabehandlung kontrolliere ich durch Wiegen der Völker und durch zählen der belegten Futterwaben, wie viel Futter ihnen zur Verfügung steht, um ermitteln zu können, wie viel an Winterfutter ich ihnen geben muss, damit es dem Volk bis zum Frühjahr reichen wird. In diesem Jahr war viel Honig vorhanden, denn der Sommer war sehr ertragreich. Nur einzelne Völker und spätentwickelte Ableger habe ich mit zusätzlichen Futtergaben versorgt. Am Ende hatten alle Bienen ausreichend Futter eingelagert.

Man mag es kaum glauben, aber dann ist es so weit: Es ist August, die Völker sind gegen die Varroamilbe behandelt, sie haben genug Futter für den Winter eingelagert. Sie sind, so sagt der Imker, eingewintert.

Von da an störe ich sie nicht mehr, denn es gibt keinen Anlass mehr, ihnen noch weiteren Stress zuzumuten. Nur noch einmal, etwa drei Wochen nach dem ersten Frost, gibt es die letzte Varroabehandlung in diesem Jahr. Das nennt man "Restentmilbung". Das geschieht sehr schonend und zügig. Und dann warten wir auf den Frühling, auf das Erwachen der Natur und hoffenltich auf ganz viel leckeren Honig!
Der Honig ist im Übrigen nicht das Wesentliche an der Imkerei. Ich sehe ihn als Krönung. Das Wesentliche ist der Einblick ins Volk, das Beobachten der Entwicklung, die interessanten Erkenntnisse. Eine tolle Beigabe ist der Duft, der aus den offenen Völkern strämt, das sanfte Summen der zahlreichen Bienen. Oder um es kurz zu sagen: Das Wesentliche an der Imkerei ist das Dabei-sein-dürfen.

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Kommentare: 6
  • #1

    Jette (Sonntag, 17 November 2019 12:38)

    Sehr informativ für nicht Imker. Da hab ich wieder was gelernt!

  • #2

    Bier her (Sonntag, 17 November 2019 23:12)

    Ah! Interessant. Also wird nicht mehr später geschleudert? Wie oft wird denn geschleudert? Jede Woche? Jeden Monat?

  • #3

    Kevin (Dienstag, 19 November 2019 14:45)

    Wahnsinnig interessant dein Blog. Ich schau ja regelmäßig her. Auch der Ideenpool ist toll aber für mehr Follower musst du dich mehr reinhängen und mehr schreiben.

  • #4

    Janine (Donnerstag, 21 November 2019 13:09)

    Schräg. Danke dass du uns an deinem Wissen teilhaben lässt!

  • #5

    Tessa (Freitag, 29 November 2019 13:13)

    Uh interessant! Dann ist das Imkerjahr eigentlich von März bis August, ein halbes Jahr ungefähr. Aber dann wahrscheinlich viel Arbeit in der Zeit

  • #6

    --- (Samstag, 13 Februar 2021 20:31)

    Toller Text für Nichtimker. Danke!