Tier zugelaufen?

Diesen Text schreibe ich für eine sehr gute Bekannte, die sich der Tierrettung verschrieben hat. Sie nimmt verwaiste Vögel genauso auf, wie Eichkätzchen oder Igel. Dazu hat sie ihr Zuhause entsprechend umgestaltet und arbeitet eng mit einem Tierarzt zusammen. Sie hat mich gebeten, aufzuklären. Denn das was man selbst als Rettung emfpindet, ist leider viel zu oft ein Desaster. Und die Fälle nehmen immer mehr zu.

 

Wenn einem ein Hund oder ein Pferd zuläuft oder auf der Straßen ein herrenloser Hund oder ein einsames Pferd begegnet, ist die Sachlage klar: Das Tier so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone bringen und sich auf die Suche nach dem Besitzer machen. Das ist natürlich nicht so leicht, wie es sich anhört. Ich würde in dem Fall auf jeden Fall (bei einem Pferd) die Polizei benachrichtigen, oder bei einem Hund diesen ins Tierheim bringen - sofern er sich einem anschließt. Lässt der Hund sich nicht fangen, oder aber er schließt sich einem nicht an und ist gleichzeit zu groß, um weggetragen zu werden, würde ich auch in diesem Fall die Polizei benachrichtigen. Vorrausgegangen muss natürlich sein, dass man sich umgesehen hat, ob nicht doch noch der Besitzer auffindbar ist.

Bei Katzen verhält sich das Thema aber nicht so einfach. Eine ausgestetzte Katze kann man von einer Freigänger-Katze schlecht unterscheiden. Aber auch hier kann man zumindest mit Maß und Ziel vorgehen. Eine Freundin hat mir erzählt, ihre Katze sei im Laufe von fünf Jahren dreimal ins Tierheim gebracht worden. Wenn eine Katze so gepflegt und gut genährt ist, wie ihre und zudem jeden Tag wieder kommt, kann man doch davon ausgehen, dass es sich nicht um eine ausgesetzte Katze handelt. Im Notfall könnte man ja auch fragen und sich umhören. Die Ausrede, sie habe aber gierig das ihr gebotene Futter aufgefressen, zählt nichts. Denn die Katze meiner Nachbarin frisst auch gierig das Hundefutter meines Hundes, wenn der Hund nicht zu Hause ist und leichtsinnigerweise etwas im Napf übrig gelassen hat.
Letzte Woche habe ich die Leiterin eines Tierheimes im Fernsehen gesehen, die von einem regelrechten Rettungs-Irrsinn sprach. Leider weiß ich nicht mehr, aus welchem Tierheim die Dame war. Aber bestimmt hat es der eine oder andere auch gesehen. Sie sagte, von 50 Katzen, die ihr gebracht werden, sind 49 Freigänger. Einige werden mehrfach gebracht - oft von der gleichen Person, die es einfach nicht glauben kann, dass das Kätzchen ein Zuhause hat.

Ganz besonders bei der Rettung von wildlebenden Tieren ist Augenmaß angebracht. In den Igelstationen stapeln sich fast die Tiere und viele sind nicht rettungsbedürftig. Besagte Freundin von oben erzählte mir, es kämen Leute mit Igel und sagten, dass der einfach bei ihnen im Garten rumlief. Ja, das tun Igel nunmal. Bei der Rettung von Igeln kann es zu besonderen Tragödien kommen, denn wenn man eine junge Igelmutter in einer Schachtel im Haus deponiert, und am nächsten Tag in eine Igelauffangstation zu bringen, verhungern währenddessen ihre Jungen. Wenn der Igel nicht verletzt ist und nicht über und über mit Maden und Zecken voll ist, braucht er mit hoher Wahrscheinlich keit keine Hilfe. Genauere Angaben, die euch bei der Entscheidung, dem Igel Hilfe zuteil kommen zu lassen, unterstützt, findet ihr HIER

Und so könnte ich den Text eigentlich fortsetzen. Jungvögel, die scheinbar einsam am Boden oder in einem Strauch sitzen, werden in der Regel von den Eltern noch versorgt. Bitte beobachtet sie über einen längeren Zeitraum aus sicherer Entfernung, bevor ihr sie mitnehmt, um sie zu retten.

Nehmt Tiere nur dann an euch, wenn ihr euch zu 100 % sicher seid, dass das Tier wirklich hilfsbedürftig ist. Berührt sie nicht und tragt sie nicht an eine andere Stelle, die euch persönlich sicherer erscheint. Die Elterntiere nehmen ihre Jungen oft nicht mehr an, wenn sie von Menschenhand berührt wurden. So eine gut gemeint Sache kann übel ausgehen und leider oft für den Tod sorgen.

Ein besonderes Beispiel an sinnloser Aktivität habe ich vor zwei Jahren auf Facebook erlebt. Eine Frau postete ein Foto von einer Schildkröte und sagte, die habe sie bei einem Spaziergang am See im Wasser gesehen. Sie sei mitsamt ihrer Kleidung in das Wasser gestiegen und habe das Tier natürlich sofort gerettet. Das sei sehr mühsam gewesen, denn das arme Tier habe versucht, sich im dichten Schilf zu verstecken. Sie sei froh, dass sie letztlich doch erfolgreich gewesen ist, wisse jetzt aber nicht, wohnin damit. Eine andere Dame meldete sich sofort zu Wort. Das sei eine Schmuckschildkröte. Sie habe ein ausreichend großes Aquarium in das die Schmuckschildkröte jederzeit einziehen könne. Das Foto zeigte aber eine Europäische Sumpfschildkröte und die sind bei uns heimisch. Vielmehr ist es die einzige in Deutschland wild lebende Schildkrötenart. Nicht nur das: die Europäische Sumpfschildkröte ist vom Aussterben bedroht und dieser Zustand wird durch "Rettungen" dieser Art nur noch befeuert. Auch die Dame, die die Schildkröte aufnehmen wollte, hat sich absolut verantwortungslos verhalten. Sie hatte keine Ahnung, um welche Art es sich handelt und hat einfach mit Wichtigmacherei auf sich aufmerksam machen wollen - als große Tierretterin.

Wenn ihr also ein Tier retten wollt, stellt sicher, dass es wirklich Hilfe benötigt. Vertraut manchmal auch einfach der Natur, greift so wenig wie möglich in sie ein. Und auch wenn einigen mein Schlusssatz nicht gefallen wird: Zur Natur gehört es auch, dass ein Tier mal stirbt und damit einem anderen als Nahrung dienen kann.

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