Die Lüge vom Aussterben der Honigbiene

Ich habe es heute schon wieder gehört: Eine junge Imkerin behauptet mit einer an Penetranz erinnernden Hartnäckigkeit, die Honigbiene sei vom Aussterben bedroht. Und sie zitierte das berühmte Zitat von Einstein: Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch drei Jahre zu leben. Beides ist falsch!  Weder ist die Honigbiene vom Aussterben bedroht, noch stammt dieses Zitat von Albert Einstein. Und vom Aussterben der  Honigbiene sind wir so weit weg, wie die Erde vom Jupiter.

Besagte Imkerin steht nicht alleine da, mit diesen falschen Aussagen vom Aussterben der  Honigbiene. Ich habe in diesem Jahr immer wieder das Märchen vom Aussterben der Honigbiene gehört und das traurigerweise auch sehr oft von Imkern. Also von Menschen, die es besser wissen sollten.

Lass uns gemeinsam ein paar Tatsachen betrachten. Nehmen wir uns zunächst, weil es besonders schnell geht, das angebliche Einstein-Zitat vor: Wie jeder kinderleicht recherchieren kann, hat ein "konfuser Imker" einige Aussagen verwechselt und deshalb die Aussage über das Aussterben der Menschheit dem Herrn Einstein falscherweise in die Schuhe geschoben. Es ist einfach nichts dran an dieser Aussage, dass Einstein das gesagt hat. Richtig ist, dass ohne Bienen viel weniger Bestäubung stattfindet. Aber neben der Honigbiene gibt es in Deutschland ca. 550 Arten von Wildbienen, die für die Bestäubung genauso von Bedeutung sind, wie viele weitere Insekten. Insekten insgesamt sorgen also unbewusst dafür, dass wir ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung haben. Das Überleben der Menschheit hängt keinesfalls (nur) an der Honigbiene. Auf allen Memes mit diesem falschen Zitat ist aber immer ein Bild der Honigbiene, was ein ganz falsches Bild vermittelt.


Und wie sieht es jetzt mit dem Aussterben der Honigbiene in Deutschland aus? Die Honigbiene ist ohne Frage ein Nutztier mit einer beachtlichen Bestäuberleistung. Es macht Freude, mit Bienenvölkern zu arbeiten. Es macht sehr vielen Leuten Spaß und viele Leute sind auch gerne bereit, aus Leidenschaft zur Honigbiene einen Teil ihrer Freizeit für die nicht unerheblichen Aufgaben rund um das Bienenvolk zu opfern. Zu diesen Aufgaben gehört auch der Schutz der Bienenvölker vor Bedrohungen, wie z.B. diversen Krankheiten und auch gegen die Varroamilbe. Letztlich macht es offensichtlich sogar mehr Spaß als Arbeit, denn mehr als 130.000 Menschen in Deutschland zählen sich zum Kreise der Imker. Zusammen besitzen sie auch heute noch mehr als 800.000 Bienenvölker! 800.000Bienenköniginnen legen Tag für Tag Eier gegen das Aussterben der Honigbienen. In Spitzenzeiten befinden sich in einem Bienenvolk bis zu 40.000 Bienen. Natürlich gibt es auch stärkere oder schwächere Völker. Doch wir können so grob davon ausgehen, dass es in Deutschland 800.000 mal 40.000 Honigbienen gibt. Klingt das nach Aussterben? Ganz sicher nicht. Die Honigbiene ist definitiv NICHT vom Aussterben bedroht.

 

Vom Aussterben bedroht sind hingegen die Wildbienen. Ihre Population geht von Jahr zu Jahr zurück. Von einigen Arten gibt es nur noch so wenige Bienen, dass es kaum mehr zur Paarung kommt, weil sich die Bienen nicht mehr finden. Grund für diesen Schwund sind das Fehlen von Lebensraum und Nahrung. Viele der Wildbienen sind auf die richtigen Futterpflanzen angewiesen. Anders als die Generlatisten, die an jeder Blüte naschen, ist ihr Überleben von ganz bestimmten Blüten abhängig. Bei immer mehr Monokultur und abgeräumten Feldrainen und Waldrändern bleibt ihnen nichts zum Überleben. Wenn wir also vom Aussterben der Biene reden, dann reden wir von den Wildbienenarten.

Imkerei ist ein tolles Hobby. Doch jeder Imker sollte sich im Klaren darüber sein, dass er keinerlei Beitrag zum Artenschutz beiträgt und dass die Haltung von Nutztieren Verantwortung erfordert. In Naturschutzgebieten und deren Randgebieten hat die Honigbiene nichts zu suchen. Sie wird in solchen Gebieten zu einem gefährlichen Nahrungskonkurrenten der ohnehin hungernden Wildbienen. Und zwar nicht, weil sie alles wegfrisst, wie man von überbesorgten, uninformierten Menschen oft hört. Sondern weil es kaum etwas gibt. Es ist alles wegrationiert, was Wildbienen dringend benötigen. Gerade Naturschutzgebiete sollten daher allein den Wildbienen gehören. Man sollte sich deshalb auch Gedanken machen, was man für Wildbienen im Speziellen tun kann. Ich habe mir darüber ja bereits einige Gedanken gemacht, die ihr hier findet.


Es gibt Imker, die machen nicht nur Kurse in denen sie die Mär von der aussterbenden Honigbiene erzählen. Sie machen auch noch Profit auf Kosten des grünen Gewissens der Leute. Sie bieten Bienen- und Blühpatenschaften an, die BEIDE in aller Regel dem Artenschutz keinen Millimeter weiter helfen. Diese Patenschaften, die ja auch oft auf der Lüge vom Aussterben der Honigbiene gegründet sind, sind nichts als Geldmacherei. Auch darüber habe ich bereits geschrieben und zwar hier. Bitte überlegt genau, wie ihr eure Mühe und euer Geld für den Arten- und Umweltschutz investiert. Lasst euch nicht über den Tisch ziehen. Informiert euch gut, damit eure Arbeitsleistung und euer Geld da landet, wo sie dringend benötigt wird: bei den wilden Insekten und den wilden Verwandten unserer Honigbiene!

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Kommentare: 11
  • #1

    Beate (Montag, 21 März 2022 20:41)

    Gute Informationen zu wichtigem Thema. Mein Nachbar ist Imker und bittet sogar auf seiner Homepage um Paten für seine Bienenvölker. Hab ihm jetzt deinen Text ausgedruckt und werde morgen noch mal mit ihm sprechen.

  • #2

    Frau Hummel (Donnerstag, 24 März 2022 10:01)

    Genau so und nicht anders. Wir werden belogen und betrogen. Mit Patenschaften für Bienen die nicht vom Aussterben bedroht sind. Mit Blühwiesen die keiner einzigen Aussterben den Art helfen.

  • #3

    Hiltrud (Donnerstag, 24 März 2022 15:42)

    Unsere hiesige Vereine haben letzte Woche einen Vortrag über das Bienensterben gemacht, mit genauen Zahlen zu den Wildbienen. Zwei Frauen haben sich daraufhin betroffen gezeigt weil die genau das nicht gewusst haben. Die zwei haben solche Bienen Patenschaften. Aber nicht mehr lang. Hier gibt es jetzt ganz tolle Info Broschüren, da steht alles genau drin. Die kosten fünf Euro und das Geld geht in Aufpflanzaktionen für Wildbienen und anderen Insekten. Weil das ist nämlich auch ein Punkt: Blühstreifen und Blühwiesen die nur für einen Sommer stehen, nutzen nur dem Imker. Für das Artensterben ist das Unfug und bringt genau null Komma null!

  • #4

    Resi (Donnerstag, 24 März 2022 19:43)

    Patenschaften für Bienenvölker. Das ist wie wenn man Patenschaften für Kühe vergibt, damit Waldtiere nicht aussterben.

  • #5

    Agnes Knaas (Donnerstag, 24 März 2022 20:10)

    @resi
    @resi
    Ich finde ja, Patenschaften für Bienenvölker, das ist, wie wenn das Reh vom Aussterben bedroht wäre und man vergibt Patenschaften für Kühe, weil die ja auch vier Beine haben und manchmal eine Kolik kriegen und deshalb auch geschützt werden müssen. Die Ausrede der Imker die sowas anbieten ist ja immer, dass die Imker es wegen der Varroa so schwer haben. Ändert zwar nichts daran, dass Honigbienen in Massen vorhanden sind. Aber wer was gegen Artenschutz machen will und nicht informiert ist, glaubt das und ist ein leichtes Opfer dieser Betrüger. Und das sind diese Imker für mich. Die tun so, als wenn sie großartige Naturschützer sind. Dabei nehmen sie grinsend Geld, das der Natur dann fehlt.

  • #6

    Seppi Langer (Freitag, 25 März 2022 01:28)

    Das Imker Geld für Patenschaften annehmen gehört schon lang verboten. Letztes Jahr haben wir 800m Waldrand re-naturiert mit Spendengelder. Nur heimische Pflanzen was ursprünglich bei uns gewachsen ist. Das Geld was diese Grattler Imker nehmen und in die Tasche schieben, fehlt da wo wirklich was für aussterbende Insekten getan wird. Heut hab ich Anzeige beim Finanzamt erstattet für einen Imker, der Patenschaften hat. Das braucht nämlich eine Gewerbe Anmeldung. Das kommt noch dazu. Weil das hat fast keiner von denen Grattler!

  • #7

    XXX (Freitag, 25 März 2022 17:02)

    Düstere Zeiten für Wildbienen, bei der Moral dieser Imker. Deren Bienen fressen den Wildbienen das Futter weg. Und diese Imker schieben das Geld ein, das für Wildbienenschutz so nötig ist. Wenn das nicht eine ganz miese charakterlose Masche ist weiß ich auch nicht.

  • #8

    XXX (Freitag, 25 März 2022 17:09)

    Problem: Auch große Medien und sogar Utopia geben Hinweise zu Bienenpatenschaften. Warum? Sie werden von genau solchen Imkern beraten. Die Wildbienen sterben derweilen still und leise aus. Unbemerkt vom öffentlichen Interesse. Honigbienen haben ihre persönlichen Lobbyisten. Wildbienen nicht.

  • #9

    Christine (Samstag, 26 März 2022 14:35)

    Die Leut wollen das doch glauben. Es ist praktisch:Der Imker erzählt was von Artenschutz. Man gibt dem sein Geld für eine Patenschaft. Schon ist das grüne Gewissen beruhigt. Niemand kann sagen, man würd nichts tun. Dafür dass es keine einzige aussterbende Art rettet, kann man nichts. Man war halt gutgläubig und ist falsch beraten worden.

  • #10

    Monika (Montag, 28 März 2022 14:22)

    Das kommt davon wenn man auf irgendwelche Leute hört statt auf Wissenschaft. Wissenschaftler haben nämlich festgestellt:In Relation zum Nahrungsangebot gibt es heute sogar mehr Bienenvölker als 1990
    Heißt im Klartext: Bienenpatenschaften verhindern nicht nur sinnvollen Artenschutz. Sie befeuern das Aussterben der Arten sogar noch.

  • #11

    Martin Mittermaier (Mittwoch, 30 März 2022 22:10)

    Ich komm grad von einem Vortrag wo es um aussterbende Bienen ging. Mehr als 500 Bienarten gibt es in Deutschland, die Hälfte davon vom Aussterben bedroht. Die Honigbiene ist NICHT vom Aussterben bedroht. Die Referentin hat das gleiche erzählt wie du: Von Imkern die sich unrechtmäßig die Geldbeutel vollmachen. Sie hat dich, Conny Mittermaier, positiv erwähnt - und auf dem mit gegebenen Merkblatt steht der Text von dir teilweise mit drauf.Und der Link hierher. Gib nicht auf über Tatsachen zu informieren! Danke für seinen Einsatz